Müdigkeit und Liebe
Es ist gut, den Tag mit dem Lob Gottes, mit dem Dank für das Erlösungswerk Jesu Christi,
mit den Laudes und der Feier der Eucharistie zu beginnen, es ist schön, in der Gemeinschaft von Christen, von franziskanischen Brüdern aufzuwachen und zu frühstücken.
Ich stehe in der U-Bahn
von Vingst nach Deutz und blicke den Wagen entlang in diese abgeschalteten, zutiefst ermüdeten Gesichter,
schon die jungen sind so grau wie die alten, in die tiefe Linien der Erschöpfung und Verbitterung gezogen sind.
Mich selbst erlebe ich wie innerlich glühend, voller Liebe, und ich habe den heftigen Wunsch, diese traurigen Mitreisenden könnten sich auch
so als von Gott geliebt erleben. In der Tat: sie säßen nicht so zusammengesunken in der Bahn.

Ich stehe in der U-Bahn


Mich selbst erlebe ich wie innerlich glühend, voller Liebe, und ich habe den heftigen Wunsch, diese traurigen Mitreisenden könnten sich auch

Hans-Heinrich - 5. Apr, 09:43
und das eigentlich schlimme daran finde ich, dass mir die sehnsucht nach diesem bedingungslosen geliebsein so oft begegnet, aber sehr, sehr selten der innere raum, den es braucht, damit diese liebe sich eingießen kann. diese entwicklung des raumes abzuwarten und die enge mitanzusehen und doch nichts tun zu können, gehört mit zu schwersten dingen des lebens.
ps: stört es im übrigen, wenn ich hier kommentiere? dann lasse ich es.
Nur zu
Du sagst, schwer...
Ich meine: man kann etwas tun.
Für mich ist dieses - tatsächlich häufige - Erlebnis die Aufforderung, missionarisch zu leben, andere Menschen wissen, erleben zu lassen, daß sie von Gott Geliebte sind.
erschwerend kommt hinzu, dass fast niemand im leben die erfahrung gemacht hat, wie das ist, bedingungslos geliebt zu werden und was der mensch nicht kennt, das ERkennt er auch nicht, selbst wenn sich überall herum um ihn zeigt.
und würde er es erkennen, wäre meine missionarische arbeit ganz und gar überflüssig.
das einzige, was ich tun kann, ist, meine liebesfähigkeit so auszudehnen, dass sie keine bedingungen mehr hat. nicht einmal die, dass ein anderer sie erkennt. das ist etwas, das sehr abseits ist von allem verstandenwerdenwollen meinerseits. und etwas, womit ich dem ähnlicher werde, was gott von mir wünscht und viele, viele jahre hat dieses wachstum gedauert. und es geschieht nicht ohne ein gewisses maß an resignation, aber auch an einsicht und verstehen.
nur an einem einzigen punkt kann in einen anderen so hinein greifen, dass man geburtshelfer sein kann für ein wachstum, nämlich an dem tiefsten - wenn einer an dem tiefsten punkt ankommt, an dem man als mensch so ankommen kann. ich glaube, nur er macht uns menschen im grunde bereit für eine veränderung und sprengt das begrenzte erkennen. was mir beweist, dass nicht nur freude, sondern auch leiden seinen sinn macht und dass gott nicht grausam ist und kein strafender gott, nur weil ich leide, sondern das auch das liebe ist, weil es mich wachsen lässt.
die mangelnde selbstwahrnehmung in der hektik dieser zeit macht es nicht gerade leichter, sich bewusst zu machen, wann man leidet. "erkenne dich selbst" würde ich gern zum elften gebot erheben - oder gar mit dem ersten vertauschen. denn wer die gedanken bis zum ende denkt und sich alles betrachtet - von innen nach außen und wieder zurück - der stößt früher oder später an gott.