Ich bin (so gut wie) am Ziel...
...Bad Waldsee – von hier aus ist es kaum noch ein Viertelstündchen nach Reute.
Gestern Abend habe ich mit P. Lambert – einem der drei Franziskaner in Ulm – lange zusammengesessen. Er hat mir erklärt, dass Ulmer nur „s'Klöschterle“ kennen und wahrscheinlich vor meinem hochdeutschen Franziskanerkloster schon vorstellungsmäßig zurück geschreckt seien. Nachdem ich bei meinem Stadtspaziergang in Ulm wieder von einem ordentlichen Regen überrascht worden war, der mir in meinen Kaffee zu regnen drohte (aha, deshalb gibt’s immer diese Deckel auf den Pappbechern-to-go) bin ich ins Kloster zurückgepatscht, das, wie P. Lambert erzählte, schon veräußert ist. Er ist mit siebzig Jahren von den dreien des Konvents der jüngste und – dank Radfahren und vernünftiger Ernährung – fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Ich hatte mich schon bei der Ankunft gewundert, dass mir jemand in einem Radlertrikot (mit Taschen überm Po) entgegenkam, und nun stellte sich heraus, dass P. Lambert wirklich viel radelt.
Er zelebrierte eine Abendmesse, so dass ich auch gestern einen Gottesdienst mitfeiern konnte: vielleicht nicht so ganz andächtig, denn die zusammengekommene Gemeinde bestand zu 99 Prozent aus „Superfrommen“ von der Sorte, die mit ihrem Getue eigentlich mehr stören, als dass sie der allgemeinen Frömmigkeit dienen. Das war mir schon klar geworden, als ich die Kirche ein Viertelstündchen vor der Meßfeier betrat. Das Rosenkranzbeten kam eben gerade ans Ende, und nun wurde ein ums andere Gebet dran gehängt, als ob es nichts Heiligeres, Wichtigeres und Besseres gebe, als unerbittlich die Stille kaputtzureden. Und auch der Kommuniongang wurde, wie vorherzusehen, eine Prozession der Kniebeugen und Extra-Verbeugungen vorher und nachher und in Richtung sämtlicher Heiligenfiguren – und ich war, glaube ich wirklich, der einzige Gottesdienstteilnehmer, der sich die Eucharistie in die Hand geben ließ. (Heute Morgen war es ganz ähnlich, nur waren auch ein paar jüngere Leute dabei, und der Anteil der Brutalkatholischen betrug vielleicht nur 75 Prozent.)
Nach dem Gottesdienst tranken der Pater und ich ein Bier und schauten die TV-Nachrichten und erzählten dann miteinander. Ein interessanter Mann: gelernter Elektriker, Heilpraktiker, wie schon gesagt Radler und in vielerlei Hinsicht jemand mit ganz eigenen Ansichten, theologisch genauso wie z. B. Naturwissenschaftlich. Wir debattierten lang und breit darüber, wieso homöopathische Medikamente bei Tieren und in Hochpotenzen überhaupt funktionieren können, wenn man rein rechnerisch nachweisen kann, dass sich in der gegebenen Dosis mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht einmal mehr ein Molekül der Wirksubstanz befinden kann. Also anders ausgedrückt: Wenn ich eine halbe Flasche Cognac trinke, bin ich sturzbetrunken. Wie kann es sein, dass wenn ich diese halbe Flasche Cognac ins Becken des Städtischen Freibads kippe, gut umrühre und von dem Wasser zehn Tropfen einnehme, ich genauso betrunken werden soll? Oder noch besser: Wenn ich die zehn Tropfen meinem Dackel einflöße, dass der sich umlegt und komatös einen halben Tag schläft? Die Theorien, was durch das Potenzieren eigentlich passiert, und die Methoden, wie man das nachzuweisen versucht, beispielsweise mit Kristallisationsbildern und ähnlichen vor allem von Anthroposophen entwickelten Verfahren, haben P. Lambert (der noch guten Rotwein hervorholte) und mir lange Gesprächsstoff gegeben.
Heute morgen sah es in Ulm erst wieder nach Regen aus, aber abgesehen von ein paar verwehten Sprühspritzern, blieb es den Tag über trocken. P. Lambert hatte mir noch genau beschrieben, wie ich Ulm verlassen sollte in Richtung auf Laupheim. Dann habe ich mich ein Stück weit von der Bahn transportieren lassen, und nun bin ich ganz gemütlich über Schussenried nach Bad Waldsee gelangt - unter gleichbleibend grauem Himmel, aber bei nur mäßigem Wind und trocken. Und jetzt mache ich mich zu den letzten 3 Kilometern auf gen Reute.
Morgen wird zu Fuß gewallt, und dann geht es wohl Montagmorgen zurück gen Dieburg. Bis dann...
Gestern Abend habe ich mit P. Lambert – einem der drei Franziskaner in Ulm – lange zusammengesessen. Er hat mir erklärt, dass Ulmer nur „s'Klöschterle“ kennen und wahrscheinlich vor meinem hochdeutschen Franziskanerkloster schon vorstellungsmäßig zurück geschreckt seien. Nachdem ich bei meinem Stadtspaziergang in Ulm wieder von einem ordentlichen Regen überrascht worden war, der mir in meinen Kaffee zu regnen drohte (aha, deshalb gibt’s immer diese Deckel auf den Pappbechern-to-go) bin ich ins Kloster zurückgepatscht, das, wie P. Lambert erzählte, schon veräußert ist. Er ist mit siebzig Jahren von den dreien des Konvents der jüngste und – dank Radfahren und vernünftiger Ernährung – fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Ich hatte mich schon bei der Ankunft gewundert, dass mir jemand in einem Radlertrikot (mit Taschen überm Po) entgegenkam, und nun stellte sich heraus, dass P. Lambert wirklich viel radelt.
Er zelebrierte eine Abendmesse, so dass ich auch gestern einen Gottesdienst mitfeiern konnte: vielleicht nicht so ganz andächtig, denn die zusammengekommene Gemeinde bestand zu 99 Prozent aus „Superfrommen“ von der Sorte, die mit ihrem Getue eigentlich mehr stören, als dass sie der allgemeinen Frömmigkeit dienen. Das war mir schon klar geworden, als ich die Kirche ein Viertelstündchen vor der Meßfeier betrat. Das Rosenkranzbeten kam eben gerade ans Ende, und nun wurde ein ums andere Gebet dran gehängt, als ob es nichts Heiligeres, Wichtigeres und Besseres gebe, als unerbittlich die Stille kaputtzureden. Und auch der Kommuniongang wurde, wie vorherzusehen, eine Prozession der Kniebeugen und Extra-Verbeugungen vorher und nachher und in Richtung sämtlicher Heiligenfiguren – und ich war, glaube ich wirklich, der einzige Gottesdienstteilnehmer, der sich die Eucharistie in die Hand geben ließ. (Heute Morgen war es ganz ähnlich, nur waren auch ein paar jüngere Leute dabei, und der Anteil der Brutalkatholischen betrug vielleicht nur 75 Prozent.)
Nach dem Gottesdienst tranken der Pater und ich ein Bier und schauten die TV-Nachrichten und erzählten dann miteinander. Ein interessanter Mann: gelernter Elektriker, Heilpraktiker, wie schon gesagt Radler und in vielerlei Hinsicht jemand mit ganz eigenen Ansichten, theologisch genauso wie z. B. Naturwissenschaftlich. Wir debattierten lang und breit darüber, wieso homöopathische Medikamente bei Tieren und in Hochpotenzen überhaupt funktionieren können, wenn man rein rechnerisch nachweisen kann, dass sich in der gegebenen Dosis mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht einmal mehr ein Molekül der Wirksubstanz befinden kann. Also anders ausgedrückt: Wenn ich eine halbe Flasche Cognac trinke, bin ich sturzbetrunken. Wie kann es sein, dass wenn ich diese halbe Flasche Cognac ins Becken des Städtischen Freibads kippe, gut umrühre und von dem Wasser zehn Tropfen einnehme, ich genauso betrunken werden soll? Oder noch besser: Wenn ich die zehn Tropfen meinem Dackel einflöße, dass der sich umlegt und komatös einen halben Tag schläft? Die Theorien, was durch das Potenzieren eigentlich passiert, und die Methoden, wie man das nachzuweisen versucht, beispielsweise mit Kristallisationsbildern und ähnlichen vor allem von Anthroposophen entwickelten Verfahren, haben P. Lambert (der noch guten Rotwein hervorholte) und mir lange Gesprächsstoff gegeben.
Heute morgen sah es in Ulm erst wieder nach Regen aus, aber abgesehen von ein paar verwehten Sprühspritzern, blieb es den Tag über trocken. P. Lambert hatte mir noch genau beschrieben, wie ich Ulm verlassen sollte in Richtung auf Laupheim. Dann habe ich mich ein Stück weit von der Bahn transportieren lassen, und nun bin ich ganz gemütlich über Schussenried nach Bad Waldsee gelangt - unter gleichbleibend grauem Himmel, aber bei nur mäßigem Wind und trocken. Und jetzt mache ich mich zu den letzten 3 Kilometern auf gen Reute.
Morgen wird zu Fuß gewallt, und dann geht es wohl Montagmorgen zurück gen Dieburg. Bis dann...
Kapuzinerküche - 6. Jul, 14:44
radeln
für diese reise,
lieber Hans-Heinrich?
:-) puck
Wie schon mal erwähnt...
http://www.koga.com/de/bike.asp?collectionid=8&segmentid=63&id=9157635
Ein in der Tat vorzügliches Reiserad, an dem auch nach einer Woche tagtäglichen Regens nichts quietscht und schleift und schrappt...